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Ella Dälken – Tot im Winkel

Taschenbuch: 384 Seiten
Verlag: Heyne Verlag
ISBN-13: 978-3453421653

Die Düsseldorfer Kriminalpolizei führt in einem einsamen Hotel im Moor einen Workshop über Teamarbeit durch, an dem auch ein bekannter Profiler teilnehmen und einen Vortrag halten soll. Eine der Teilnehmerinnen ist die Kriminalhaiptkommissarin Paula Pongs. Und die ist alles andere als begeistert, als sie, kaum im Hotel angekommen, feststellen muss, dass ihre Mutter Cosma Pongs schon da ist. Die Krimiautorin und Hobbyermittlerin hat von dem Seminar Wind bekommen und sich kurzerhand zusammen mit ihrer Autoren-WG für ein Schreibwochenende in das Hotel eingemietet. Schließlich kann man sich die Gelegenheit, einen bekannten Profiler auszuquetschen, als Autor von Kriminalromanen doch nicht entgehen lassen. Außerdem ist ein einsames Hotel im Moor sehr inspirierend. Und überhaupt hat Cosma das Gefühl, dass etwas geschehen wird. Es wäre nicht der erste Mord, bei dem die Rentnergruppe die Polizei unterstützt.

Als dann tatsächlich der Profiler vom Balkon stürzt, sind Cosma und ihre Kollegen nicht mehr zu halten. Sehr zu Paulas Entsetzen mischen sie sich immer wieder in die Ermittlung ein. Paula hat alle Hände voll zu tun bei der Suche nach dem Mörder, denn auf einmal ist jeder ihrer Kollegen verdächtig…

Das Setting des Kriminalromans ist das eines klassischen Locked-Room-Mysteries, spielt das Ganze doch in dem einsamen Hotel, das dank eines Unwetters von der Außenwelt abgeschnitten ist. Der Mörder muss sich also die ganze Zeit in dem Hotel aufhalten. Es erinnert von der Ausgangssituation an einen klassischen Agatha Christie Krimi, und auf diese Bücher wird zwischendurch auch immer mal wieder angespielt. Aber die Ermittlungen werden nicht von einer einzelnen schlauen Person wie Miss Marple oder Hercule Poirot durchgeführt, nein, hier mischen so einige Ermittler und Möchtegernermittler mit. Die Figuren sind dabei alle ziemlich speziell und gut ausgearbeitet. Die meisten kann man vermutlich schon aus dem ersten Band rund um das Mutter-Tochter-Ermittlerduo-Wider-Willen kennen, für mich war Tot im Winkel aber der erste Roman der Autorin. Auch so hatte ich keine Probleme, mitzukommen, lediglich am Anfang war ich manchmal etwas überfordert von der Vielzahl agierender Personen. Aber ich war auch schnell fasziniert von den ganz unterschiedlichen Charakteren. Das Renterquartett, dass mit einem Kater reist, besteht aus echten Originalen. Ob alle so wirklich Erfolg als Krimiautoren haben, daran zweifle ich. Aber es hat auf jeden Fall Spaß gemacht, sie bei ihren Ermittlungen zu begleiten.

Bei den Polizisten habe ich ja vor allem Walter in mein Herz geschlossen, der sich zugegebenermaßen allerdings eher auf einen bevorstehenden Backwettbewerb als auf den Fall konzentriert. Ob man in einem späteren Band erfährt, ob er gewinnt? Paula blieb fast ein wenig farblos, tat mir aber auf jeden Fall leid. Sie hat verzweifelt versucht, ihre Mutter vom ermitteln abzuhalten und gleichzeitig den Fall zu lösen, keine einfache Sache.

Der Fall selbst ist verzwickt. Das Opfer wurde von niemandem gemocht, und so kann es eigentlich jeder gewesen sein. Kollegen, mit denen er aneinandergeriet? Die Ehefrau? Personen aus einem ehemaligen Fall? Fast jeder hätte einen Grund gehabt und so mancher der Gäste scheint etwas zu verheimlichen.

Die Suche nach dem Mörder machte Spaß und ich tappte die ganze Zeit im Dunklen. Hatte Theorien, verwarf sie wieder, grübelte und wartete dann einfach gespannt auf die Lösung.

Manchmal zog sich das ganze für mich etwas zu sehr, wäre ich gerne schneller vorangekommen in der Ermittlung. Und an einer Stelle finde ich die Ermittlung komplett unlogisch. Aber im Großen und Ganzen hatte ich einfach Spaß. Ich mag Krimis mit Hobbyermittlern. Hier die Sicht von Hobbyermittlerin und Polizei abwechselnd zu haben, war für mich etwas Neues und das hat es sehr interessant gemacht. Da die Geschichte abwechselnd von Paula und Cosma erzählt wird, wechselt immer an den spannenden Stellen die Perspektive und man ist gezwungen, schnell weiterzulesen. Dadurch, dass die Kapitel kurz sind, gelingt dies auch leicht, oft wollte ich nur noch schnell 1 Kapitel lesen, und dann wurden es doch 2 oder 3 oder noch mehr.

Insgesamt ein unterhaltsamer Krimi mit einer ungewöhnlichen Heldin. Ich freue mich darauf, mehr von Cosma Pongs zu lesen, denn die hat sich sicherlich nicht zum letzten Mal in die Polizeiarbeit eingemischt.

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