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Bettina Belitz – Gegen den Sturm: 2 Romane in einem Band

Broschiert: 560 Seiten
Verlag: Thienemann Verlag
ISBN-13: 978-3522202534
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 12 – 15 Jahre

Gegen den Sturm ist eine Neuauflage der beiden im Jahr 2010 erschienenen Bücher Freihändig und Sturmsommer. Sturmsommer war damals das erste Buch, das ich von Bettina Belitz gelesen habe, das Buch, mit dem sie mich von sich überzeugt und sich in mein Herz geschrieben hat. Und auch Freihändig konnte mich einige Monate danach überzeugen. Und so freue ich mich, dass die beiden absolut untypischen Pferdebücher noch einmal die Chance bekommen, neue Leser zu finden.

Grund genug, meine alten Rezensionen auf dem Computer hervorzukramen. Vielleicht kann ich ka den einen oder anderen auf die Geschichten neugierig machen. Es würde mich freuen.

Sturmsommer

Eigentlich könnte der 14jährige Tom glücklich sein. Denn eigentlich hat er alles, was er sich wünschen kann. Er versteht sich gut mit seiner drei Jahre älteren Schwester Lissi, er hat tolle Freunde, er ist Klassensprecher und seit kurzem hat er auch noch ein eigenes Pferd, seinen Damos. Also das  perfekte Leben? Aber leider ist nicht alles so einfach, wie es im ersten Moment scheint. Denn in diesem Sommer verändert sich alles. Seine Freunde verändern sich, seine Leistung in der Schule verändert sich, und vielleicht verändert sich auch Tom selbst? Nur Damos bleibt derselbe, und Damos ist Toms Halt in dieser turbulenten Zeit. Doch genau ihn droht er zu verlieren, wenn seine Schulleistungen weiter sinken. Dabei braucht Tom Damos doch. Und er freut sich doch so auf einen Wanderritt in den Sommerferien. Genau der ist allerdings in Gefahr, als er eine sechs in Mathe schreibt. Die Trekking-Tour, das machen seine Eltern deutlich, die gibt es für ihn nur, wenn er in der nächsten Mathearbeit mindestens eine 4 schreibt. Und um das zu schaffen, soll er Nachhilfe nehmen. Ausgerechnet bei Tanja, bei dem Mädchen aus seiner Klasse, das er am wenigsten leiden kann.

Bei Tanja möchte Tom nicht Mathe lernen, aber wie sonst soll er seine Reiterferien retten? Und was ist mit Tanja überhaupt los? Warum sieht er sie auf einmal überall, und warum gibt sie jemanden Nachhilfe, der sie ganz offensichtlich nicht mag?

Als Meteor, das Pferd aus der Box neben Damos, in Gefahr ist, da muss Tom handeln. Für sich, für Meteor, aber auch für Tanja, die an Meteor hängt. Für Tanja, die er doch gar nicht mag. Oder doch?

Bettina Belitz ist mit diesem Jugendroman ein wunderbares Buch gelungen. Einfühlsam beschreibt sie Toms Leben, seine Gedanken und Handlungen, seine Probleme, und davon hat er wirklich genug. Die schwierige Zeit mit 14, noch nicht erwachsen aber auch nicht mehr Kind, wird gut dargestellt. Durch die Ich-Form, in der die Geschichte erzählt wird, ist man Tom ganz nahe. Man fühlt mit ihm mit, auch wenn man weiß, dass nicht alle seine Handlungen richtig sind. Ein wunderbares Buch rund um Freundschaft, Liebe und auch die Liebe zur Natur. Ein Buch über Alltagsprobleme und die schwierige Zeit des Erwachsenwerdens, die Zeit, in der sich alles ändert, oder vielleicht ändert man sich auch nur selbst?

Eine Geschichte, die sowohl Jungen wie auch Mädchen begeistern wird. Ein Buch über das große Abenteuer, das Abenteuer Leben. Mit all seinen kleinen und großen Problemen und Sorgen, aber auch mit den kleinen und großen Freuden!

Freihändig

Der 15jährige Joshua hat kein einfaches Leben. Der Vater ignoriert ihn weitgehend und seiner gestressten Mutter scheint nur wichtig zu sein, dass er seine Cellostunden einhält. Dann ist da noch sein Bruder Micha. Der macht Joshua das Leben besonders schwer. Und seit Micha sitzengeblieben ist und sie in eine Klasse gehen, hat Josh kaum noch eine ruhige Minute. Morgens im Bus fängt es an, dann wird er gestoßen und verspottet. In der Schule geht es weiter, und nur wenn er sich nachmittags an eine einsame Stelle zurückzieht, hat er seine Ruhe. Wirklich kein schönes Leben. Die beste Zeit verbringt er noch mit seinem Cello, denn damit ist er wirklich gut. Und es macht ihm Spaß. Beim Cello spielen kann er seine Sorgen eine Zeit lang vergessen. Aber den Rest der Zeit würde Josh sich am liebsten verkriechen.

Als sie in der Schule einen Sportschwerpunkt wählen müssen und alle Jungen klettern sollen, da ist Josh verzweifelt. Er hat Höhenangst. Da kann er nicht mitmachen, das geht nicht. Aber wenn er es sagt, lachen doch alle noch mehr über ihn? Er trifft eine ganz spontane Entscheidung.

Als Josh verkündet, dass er nicht klettern sondern mit den Mädchen voltigieren will, da macht er sich zum Gespött der Klasse. Was will denn ein Junge auf dem Reiterhof? Weitere Sticheleien sind vorprogrammiert. Doch Josh ist das fast egal. Hauptsache er muss nicht klettern.

Als schwierig erweist es sich, die nötige Unterschrift von den Eltern zu bekommen, doch schließlich schafft er auch das. Und dann kann sie also losgehen, die Zeit auf dem Reiterhof. Eigentlich weiß Josh nichts über Pferde, und über das Voltigieren erst recht nicht. Turnen auf Pferden? Wer macht denn so etwas? Aber schnell stellt er fest, dass es ihm richtig Spaß macht. Und nicht nur das, er ist auch wirklich gut. Nur Eva, die mit ihm in einer Zweiergruppe ist, ihm aber nie beim Putzen des Pferdes hilft, die stört seine Freude etwas. Warum ist er immer mit diesem seltsamen Mädchen eingeteilt? Was macht sie überhaupt beim Voltigieren? Warum benimmt sie sich immer so komisch? Es dauert lange, bis er zumindest etwas schlau wird aus Eva. Eva ist aber längst nicht sein größtes Problem. Nicht mal Micha und seine Freunde, die Josh schlimmer denn je mobben, sind es. Nein, Josh Problem ist Geld. So gerne möchte er weiter voltigieren, so gerne  bei der Leistungsgruppe mitmachen. Doch wo soll er das Geld für Unterrichtsstunden und Vereinsbeitritt her nehmen? Seine Eltern zahlen es ihm bestimmt nicht. Sein Vater kann immer noch nicht verstehen, warum Josh voltigiert. Pferde? Das ist doch was für Mädchen. Und turnen auf Pferden ist ja sogar noch schlimmer. Seine Mutter dagegen hat Angst um seine Hände. Denn die braucht Josh doch zum Cello spielen. Nein, Josh wird einen anderen Weg finden müssen. Aber kann das gut gehen, so hinter dem Rücken der Eltern?

Freihändig ist der zweite Pferderoman von Bettina Belitz. Wie in ihrem ersten Roman steht auch hier wieder ein Junge im Teenie-Alter im Mittelpunkt. Pferdebücher mit Jungen als Hauptperson? Das ist eher ungewöhnlich, und genau das macht die Bücher auch zu etwas Besonderem. Die Geschichte rund um Josh, es ist eine wunderbare Geschichte rund um Pferde, Voltigieren und dem Spaß am Reiten. Aber sie ist noch viel mehr. Denn obwohl natürlich ein ganzer Teil der Geschichte in der Reitschule spielt und sich um Pferde dreht, so geht es auch um Themen wie Mobbing und Selbstfindung. Josh hat es nicht leicht in der Schule, er wird von allen gehänselt und ausgelacht. Da ist es schwer, seinen eigenen Weg zu finden und zu gehen. Ob er es trotzdem schafft, ob die Arbeit mit den Pferden ihm vielleicht sogar dabei helfen kann, wer das wissen will, der sollte einfach zu Freihändig greifen.

Ein wunderbares Buch für Jungen und Mädchen ab 12 und ganz sicher nicht nur für Pferdefans!

 

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